Vertreterversammlung in Osnabrück

Bundesweite Vertreterversammlung tagt in Osnabrück – Protestantische Hilfsorganisation unterstützt weltweit 150 Vorhaben

 Vertreterversammlung 2010 - Osnabrück
 Vertreterversammlung 2010

Gustav-Adolf-Werk fördert Predigtkirche Luthers

 

Osnabrück. Die bundesweite Vertreterversammlung des Gustav-Adolf-Werks (GAW) hat in Osnabrück ihren Projektkatalog für 2011 beschlossen. Mit 1,6 Millionen Euro will das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland weltweit insgesamt 150 Vorhaben unterstützen.

Das GAW ist die älteste Organisation im protestantischen Bereich und unterstützt evangelische Gemeinden, die in der Diaspora, also in der Minderheit, leben. Tätig ist die Organisation in Südamerika, Europa und Zentralasien.

Das im 19. Jahrhundert gegründete Hilfswerk stelle hauptsächlich Zuschüsse für Bauvorhaben zur Verfügung, so GAW-Generalsekretär Enno Haaks. „Meist erhalten die Partnerkirchen ein Drittel der Fördersumme aus Mitteln des GAW.“ Die anderen Gelder müssten die Antragsteller selbst aufbringen und durch andere Quellen abdecken, so Haaks.

Für die jährliche Vertreterversammlung bereitet ein Ausschuss die Vorstellung der nationalen und internationalen Projekte vor. Die Delegierten von bundesweit 24 Hauptgruppen beschließen einen Projektkatalog für das jeweils kommende Jahr. Jede Gruppe nimmt sich einiger Vorhaben an und verpflichtet sich, für diese die finanziellen Mittel aufzubringen.

„Die Devise lautet dabei: Alles auf Hoffnung“, schildert es Pastor Hartmut Giesecke von Bergh. Der erste Vorsitzende der Hauptgruppe Osnabrück hat zusammen mit den 200 Mitgliedern ein Jahr lang Zeit, seine Zusage durch Spenden in bare Münze umzuwandeln.

Die Delegierten beschlossen in Osnabrück ebenfalls eine Angliederung der Stiftung „Protestantische Identität und Ökumene“. Sie werde ihr Stiftungskapital von 700000 Euro in die Arbeit des GAW einbringen, sagte Haaks. Angenommen wurde auch der Antrag, die Renovierung der Predigtkirche Martin Luthers in Wittenberg bis 2017 mit jährlich 10000 Euro zu unterstützen.

Seit zehn Jahren fließen auch finanzielle Mittel in die innerdeutsche Diaspora und dabei überwiegend nach Ost-Deutschland, erläutert Enno Haaks. „Wir wollen dort der Entchristlichung durch zwei Diktaturen begegnen, indem wir protestantische Projekte in Schulen fördern.“

 

 
Für den Hauptsitz in Buenos Aires fehlt Geld

Kirchen-Hauptsitz in Buenos Aires

Die erste Bauphase für den Um- und Neubau des Hauptgebäudes der Evangelischen Kirche am La Plata ist abgeschlossen.
Leider ist mit der Beendigung des geplanten Projektes vorläufig nicht zu rechnen, auch der Umfang wird sich
verringern. Kurz nach Beginn der Bauarbeiten stellte sich heraus, dass unvorhersehbare Renovierungsarbeiten nötig
wurden (z.B. defekte Kanalisationsrohre). In wlechem Umfang weitergebaut wird, entscheidet die GAW-Leitung. Der
Generalsekretär der Iglesia Evangelica del Rio de la Plata, Juan Abelardo Schvindt, und Kirchenpräsident Federico
Schäfer dankten für die solidarische Hilfe aus Deutschland: "Ohne diese Hilfe wären wir nicht an dem Punkt
angelangt, an dem wir uns heute befinden in Bezug auf den Umbau und die Erneuerungen des von der IERP als Hauptsitz
erworbenen Gebäudes."

Die GAW-Hauptgruppe Osnabrück hatte den Um- und Neubau des Kirchensitzes in seinen Projektkatalog 2009 aufgenommen
und mit 3.000 Euro unterstützt.

 
Dank aus Polen
Renovierung in Belchatow abgeschlossen

Mit rund 14.000 Euro förderte das GAW die Fassadenerneuerung des Kirchengebäudes in der Evangelisch-Reformierten Gemeinde in Belachatow, Polen. Die Kirche und das OPIRO-Zentrum erhielten eine neue Einfriedung, es wurden Eingänge versetzt und die Fassade erneuert. "Die Realisierung des Plans der Renovierungsarbeiten wäre ohne GAW Unterstützung unmöglich, deshalb sind wir sehr dankbar. Im Namen der Evangelisch-Reformierten Gemeinde in Belachatow möchte ich mich herzlich für Ihre Hilfe bedanken," schreibt Pfarrer Marek Izdebski.
 
Diaspora lebt von der Basis
 Generalsekretär Enno Haaks
Generalsekretär Enno Haaks ist Gast bei der Mitglieder-
versammlung in Bad Essen (re. Hartmut Giesecke von Bergh).

Mitgliederversammlung mit Enno Haaks

Seine Schilderungen kamen aus erster Hand. Enno Haaks, neuer Generalsekretär des GAW, berichtete während der Mitgliederversammlung in Bad Essen eindringlich von der Notwendigkeit der Diaspora Hilfe. Der Geistliche hatte vor seiner Ernennung zum Generalsekretär mehrere Jahre als Pastor und Religionslehrer in Santiago, Chile gelebt. Seine Arbeit sei geprägt worden vom Kampf um das Überleben von gemeindlichen Einrichtungen und der unsicheren politischen Lage. Seine Erfahrungen aus der praktischen Arbeit vor Ort will Haaks jetzt in die leitende Funktion als Generalsekretär einbringen. Das GAW setze sich für den Minderheitenschutz und das Recht aller Christen auf Religionsausübung ein. Diasporahilfe lebe von der Arbeit der Kirchenbasis, so Haaks. Die Struktur des GAW  mit selbstständig  arbeitenden Hauptgruppen bilde dafür die Grundlage. Die Kommunikation der selbständigen Hauptgruppen unter einem  Dach des GAW sei allerdings notwendig, betonte Haaks. Der neue Generalsekretär sieht drei Säulen seiner Arbeit: neue Projekte, die Begleitung und gewissenhafte Finanzverwaltung laufender Projekte sowie den Kontakt zu den Hauptgruppen.

Die herausragende Veranstaltung des GAW-Jahres der Hauptgruppe Osnabrück wird die Vertreterversammlung des Gesamtwerks sein, die vom 19. bis 21. September in Osnabrück stattfinden wird. Hans-Neithardt Hansch berichtete von den Vorbereitungen. Demnach werden hundert Delegierte erwartet. Das Treffen beginnt mit einem Empfang im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses.

Eine Woche später, am 25. und 26. September, wird das Jahresfest in Melle gefeiert.

Edda Kreiensiek, Leiterin der GAW Frauengruppe,  informierte die Mitglider über das Jahresprojekt "Gerechtigkeit erhöht ein Volk". Die Frauengruppe Melle wird das Projekt, das die Bildung von Frauen in Chile, Bolivien und Uruguay in den Mittelpunkt stellt, aktiv unterstützen.
Bärbel Recker-Preuin

 
Zwei hohe Ehrungen
GAW Frauengruppe - Ehrungen
Zwei hohe Ehrungen erhielten Mitglieder der GAW-Hauptgruppe Osnabrück. In einem Festgottesdienst in Leipzig wurde Hans-Neithardt Hansch das Bernsteinkreuz verliehen. Außerdem erhielt die Frauengruppe Melle den Diakoniepreis  der polnischen Diakonie.

Hans-Neithardt Hansch, Superintendent i.R., ist einer von sieben Ehrenamtlichen aus dem gesamten Bundesgebiet, die in diesem Jahr das Bernsteinkreuz aus Kaliningrad/Königsberg erhielten. Das GAW Diasporawerk  ehrt damit sein besonderes Engagement. Der ehemalige Vorsitzende der Hauptgruppe Osnabrück hat ideenreich die Öffentlichkeitsarbeit der Hauptgruppe vorangebracht und damit viele neue Mitglieder gewonnen. Ein weiteres Anliegen von Hans-Neithardt Hansch ist die innerdeutsche Diaspora. Er setzte sich maßgeblich für die Renovierung der St. Viti-Kirche in Lützen ein.

Die Frauenarbeit im Gustav Adolf Werk wurde als erste ausländische Hilfsorganisation mit dem Diakoniepreis Polen ausgezeichnet. Ehrenurkunde und Preis des „Barmherzigen Samariters“ wurde Edda Kreiensiek, Leiterin der Frauengruppe Melle, übermittelt.  Die Frauengruppe Melle sammelt seit vielen Jahren für Frauenprojekte in aller Welt.

Die rund 200 Mitglieder der Hauptgruppe Osnabrück sind Wegbegleiter und Unterstützer von evangelischen Gemeinden, die weltweit in der Diaspora ihrem Glauben leben. In diesem Jahr werden mit 12.000 Euro sechs Projekte gefördert, u. a. in Litauen, Brasilien und Ungarn. Die Frauengruppe widmet sich Kindern und Frauen in Südamerika, die unter häuslicher Gewalt leiden.
 
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