Chronik 175 Jahre Hauptgruppe Osnabrück

Hans Neidhardt Hansch recherchiert 175 Jahre GAW-Arbeit


175 Jahre alt, junggeblieben, tatkräftig und äußerst lebendig – diese Attribute passen zur GAW Hauptgruppe Osnabrück. Seit 175 Jahren leistet die Diaspora Gemeinschaft Hilfe für Glaubensgeschwister in aller Welt. Ungebrochen ist das Engagement der heute gut 200 Mitglieder. 175 Jahre sind vor allem ein Grund zum Feiern. Die Mitglieder ließen das vergangene Wirken bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Revue passieren. Grundlage dafür war der Festvortrag von Hans Neithardt Hansch, Superintendent i.R. und ehemaliger Vorsitzender der Hauptgruppe. Die Mitglieder blickten auch in die Zukunft: sie wollen ihre finanziellen Leistungen aufstocken und wählten sieben Projekte, die im Jahr 2019 unterstützt werden.

Festvortrag 175 Jahre von Hans Neithardt Hansch
Hans Neithardt Hansch erarbeitete zum GAW Jubiläum die Chronik und hielt den Festvortrag

Die 175 Jahre fortdauernde Arbeit der GAW Hauptgruppe Osnabrück aufzuzeigen, war keine leichte Aufgabe, zumal viele Unterlagen, Fakten und Bilder nicht mehr vorhanden sind, außerdem die Chronik den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges zum Opfer fiel, wie Wiard Müntinga, stellvertretender Vorsitzender, mitteilte.  Hans Neithardt Hansch machte sich trotzdem an die Arbeit und recherchierte die lange Geschichte der Hauptgruppe. Seine Arbeit sei die Erinnerung an das segensreiche Schaffen der Gründer, der nachfolgenden Vorstände und Mitglieder, sie sei auch die Basis für die künftige Arbeit zum Wohle religiöser Minderheiten, so Hartmut Giesecke von Bergh. Der Vorsitzende dankte Hans Neithardt Hansch für seine akribische Arbeit.

175 Jahre Diasporaarbeit im Raum Osnabrück, in der Grafschaft Bentheim und im Emsland finden ihren Ursprung beim schwedischen König Gustav Adolf II. Er gelte als „Retter des Protestantismus“, so Hans Neithardt Hansch. Durch sein militärisches Eingreifen während des Dreißigjährigen Krieges befreite er protestantische Länder in Deutschland, ermöglichte die Verbreitung der Reformation und evangelisches Gemeindeleben.

Sein Todestag, der 9. November 1632, wurde in den evangelischen Kirchen in dankbarer Erinnerung gehalten, erläuterte Hans Neithardt Hansch in seinem Festvortrag.

Einige Eckdaten seines Referates:

  • Zum 200. Todestag des Schwedenkönigs trafen sich in der Nähe des Sterbeortes in Lützen zahlreiche Menschen vor dem schlichten Gedenkstein für Gustav Adolf. Die Versammlung beschließt, es nicht bei dem steinernen Denkmal zu belassen, sondern die Hilfe für notleidende evangelische Christen in der Diaspora im Sinne des Schwedenkönigs zu organisieren. Am 6. November 1837 wird die Gustav Adolf Stiftung gegründet.
  • Schnell bildeten sich viele regionale Gruppen, die diese Idee unterstützten. Es gründen sich 44 Hauptgruppen, 1400 Zweiggruppen und mehrere Frauenvereine. Eine Hauptgruppe wird in Osnabrück ins Leben gerufen.
  • Gründung des Osnabrücker Vereins mit großer Beteiligung am 11. Juli 1843. 360 Mitglieder unterzeichnen die Urkunde. Der Friedensaal des Osnabrücker Rathauses ist zu klein, also ziehen die Diaspora-Freunde in die Marienkirche um.  Am 6. November 1843 schließen sich in Bramsche mehrere Gemeinden zur Hauptgruppe Osnabrück zusammen und geben sich eine Satzung. Ein Zusammenschluss mit übrigen Hauptgruppen im damaligen Königreich Hannover wird  abgelehnt und so ist es bis heute geblieben.
  • Rektor Stüve, Osnabrück, und Amtsvorsteher Hüpeden, Freren, sind die „Motoren“ der Gründerjahre.
  • Spenden werden 1852 für die Diaspora-Gemeinde Baccum gesammelt. Ein Jahr später gibt es den Frauenverein Lingen. Große Unterstützung für den Kirchneubau und bestehende Kirchgebäude erfahren die Gemeinden Meppen, Lengerich und Loxten.
  • 1877 gründet sich der Gustav Adolf Frauenverein Melle, der bis heute eine wichtige Stütze der GAW-Arbeit in der Hauptgruppe Osnabrück ist.
  • 1918 sagt anlässlich der 75-Jahr-Feier der Vorsitzende Landgerichtsrat Stüve: „75 Jahre haben wir den Glaubensgenossen geholfen, so wollen wir auch jetzt den neuen Aufgaben versuchen gerecht zu werden. Wenn wir mit den Brudervereinen nach unseren Kräften helfen, dann wird uns der Arbeit Segen nicht fehlen und die Dankbarkeit der bedrängten Glaubensgenossen in der Nähe und Ferne wird unser schönster Lohn“.
  • 1931 findet die 76. Hauptversammlung als großes Fest des Gesamtvereins der Gustav-Adolf-Stiftung in Osnabrück statt.
  • Mitten im zweiten Weltkrieg, im Jahr 1943, feiert die Hauptgruppe ihr 100jähriges Jubiläum. Groß ist die Resonanz, als Hauptgruppenvorsitzender Dr. Cramer seinen Vortrag hält. Im Osnabrücker Land und im Emsland sei die GAW-Hilfe beim Aufbau neuer protestantischer Gemeinden gefordert „All diese Gemeinden verdanken wesentlich ihre Existenzmöglichkeit dem GAW,“ wirbt Cramer. Es schließt sich ein festlicher Gedenkgottesdienst an.
  • 1955 findet zum zweiten Mal die Hauptversammlung des Gesamtwerkes in Osnabrück statt.
  • 2003 feiert die Hauptgruppe das 175jährige Jubiläum des Gesamtwerkes. Der Wunsch des damaligen Vorsitzenden Hansch ist es, die Zahl der Mitglieder von 138 auf 175 zu erhöhen. Dieser Wunsch geht in Erfüllung. Nach dem Jubiläumsjahr gehören 186 Mitglieder der GAW Hauptgruppe Osnabrück an.
Seit dem Jahr 2008 leitet Pastor Hartmut Giesecke von Bergh die Hauptgruppe. Das 175jährige Jubiläum wird am 22. November 2018 bei einer Mitgliederversammlung in der Paulus Gemeinde, Melle, gefeiert. Im Mittelpunkt steht das Referat von Hans Neithardt Hansch.

Die Mitglieder legen die Hilfsprojekte des Jahres 2019 fest.