Jahresfest 2010 in Melle
Pflanzen in der religiösen Wüste Frankreichs

 Pastorin Caroline Baubérot, Superintendent Wolfgang Loos, Vorsitzender Hartmut Giesecke von Bergh
Pastorin Caroline Baubérot predigte und referiert in den  Gemeinden des Kirchenkreises Melle zum Jahresfest der GAW-Hauptgruppe Osnabrück. Gastgeber waren Superintendent Wolfgang Loos (li.) und Vorsitzender Hartmut Giesecke von Bergh. 
„Die französische Gesellschaft ähnelt einer großen Wüste, es fehlen religiöse Werte,“ sagte Pastorin Caroline Baubérot. Besonders den Protestanten in Frankreich falle es schwer, ihre Identifikation zu finden. Unterstützung fand die Generalsekretärin der Protestantischen Mission in Paris beim Gustav Adolf Werk (GAW), dem Diasporawerk der evangelischen Kirchen in Deutschland. Baubérot war Gastreferentin  beim Jahresfest der GAW Hauptgruppe Osnabrück in Melle.
 „Evangelisch in Frankreich“ unter dieser Überschrift stand das Jahresfest der GAW Hauptgruppe. In sieben Kirchen des Kirchenkreises Melle fanden Gottesdienste mit GAW-Predigern statt. Eines Tag zuvor hatten die lutherischen und reformierten Christen den Diaspora-Abend in der Paulusgemeinde gefeiert.  

20 Prozent der französischen Bevölkerung gehören dem katholischen Glauben an, nur zwei  Prozent, d. h. 1,2 Millionen Menschen den protestantischen Glaubensrichtungen, davon sind 30.000 lutherische Minderheit. „Sie versuchen, in der Wüste der unreligiösen Gesellschaft die Flammen es Glaubens aufrechtzuerhalten,“ sagte Caroline Baubèrot während ihrer Predigt in der St. Petri Kirche Melle.
Sichtbare Zeichen von Glaubensleben seien in Frankreich unerwünscht, berichtete Caroline Baubérot. Die Generalsekretärin erläuterte die Geschichte des Protestantismus in Frankreich und die Auswirkungen der 1905 beschlossenen  Trennung zwischen Staat und Kirche. „Die Protestanten in Frankreich sind sympathisch, diskret, unsichtbar und fortschrittlich“, sagte  Caroline Baubérot. Sympathisch, weil sie Nächstenliebe praktizieren, diskret, weil sie sich an die Laizität (Trennung von Staat und Kirche) halten, unsichtbar, weil sie an der christlichen Ethik festhalten und fortschrittlich, weil sie neue Impulse für Diakonie und Kirche setzen. Die Geistliche bedauerte, dass konfessionelle Identität und religiöse Vielfalt fehlen. Ihr Wunsch für die Zukunft des Protestantismus in Frankreich: „Die Gemeindeglieder müssen ihren Glauben überzeugend präsentieren und Zeugnis ablegen. Wir müssen heraus aus dem Schneckenhaus.“
Dass die evangelischen Kirchen in Deutschland vieles von den in der Diaspora lebenden Franzosen lernen können, unterstrich Wolfgang Loos, Superintendent des Kirchenkreises Melle. Großen Zuspruch erhielt die 40-jährige Pastorin auch von Hartmut Giesecke von Bergh, Vorsitzender der Hauptgruppe Osnabrück und Oberlandeskircherat Rainer Kiefer. Caroline Baubérot beantworte viele Fragen der Gemeindeglieder und GAW-Mitglieder aus Osnabrück und dem Emsland, u. a. zur Roma-Politik, Diakonie und zur hugenottischen Geschichte.  Die französischen Protestanten werden u. a. vom GAW und von der Landeskirche Hannovers finanziell unterstützt.